Konzept

 

Waldkindergarten Heist

 

Wurzelkinder e.V.

 

 

 

 

 

 

Anmeldung und Aufnahmekriterien Waldkindergarten Heist – Wurzelkinder e.V.

 

Anmeldung:

Für die Anmeldung im Waldkindergarten Heist ist eine Registrierung im KitaPortal Schleswig-Holstein erforderlich www.kitaportal-sh.de

 

Aufnahmekriterien:

Grundsätzlich kommen alle Kinder im Alter von 3 Jahren in die Wahl, wobei Herkunft und Religion bei der Auswahl keine Rolle spielen.

Für den Fall, dass in unserem Waldkindergarten gerade kein Platz zur Verfügung steht, aber mehrere Kinder zum gleichen Zeitpunkt einen Platz möchten, gibt es eine Warteliste für Kinder die vorrangig einen Platz bekommen.

Priorität haben:

1. Geschwisterkinder,

2. berufstätige Eltern und Alleinerziehende,

2. Heistmer Kinder,

3. zugezogene Vorschulkinder.

 

Inhaltsverzeichnis

 

Wurzelkinder in der Übersicht 

1. Einleitung 

2. Beschreibung der Einrichtung 

2.1. Tages- und Jahresablauf 

3. Leitbild und Erziehungsziele 

4. Bildung unter Berücksichtigung der Bildungsleitlinien 

4.1. Körper, Gesundheit und Bewegung 

4.2. Sprache / Kommunikation 

4.3. Soziales und emotionales Verhalten 

4.4. Ethik und Religion 

4.5. Musische, ästhetische Bildung / Kreativität 

4.6. Denken, Mathematik, Natur, Technik 

5. Aufgaben der Erzieherinnen 

5.1. Beziehung zum Kind 

5.2. Vorbildfunktion 

5.3. Beobachtung / Dokumentation 

5.4 Teamarbeit 

5.5. Zusammenarbeit mit den Eltern 

5.6. Öffentlichkeitsarbeit 

5.7. Umgang mit Beschwerden 

6. Übergang zur Schule 

7. Mitwirkung der Eltern 

8. Qualitätsmanagement 

9. Hundgestützte Pädagogik im Waldkindergarten

 

 

 

Wurzelkinder in der Übersicht

 

Trägerverein: Waldkindergarten Heist Wurzelkinder e.V.

1. Vorsitzende: Viola Mundt

Kamperrege 6

25489 Haseldorf

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Kontakt: 04129-955766

 

Leitung Waldkindergarten Heist: Andrea Danzer

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Waldkontakt: 0177-7742516

 

Öffnungszeiten: montags – freitags von 8:00 – 13:00 Uhr

 

Schließzeiten: in den Sommerferien 2 Wochen,

in den Winterferien 2 Wochen,

in den Oster- und Herbstferien 1 Woche.

Die Schließzeiten werden 1 Jahr im Voraus bekannt gegeben.

 

Pädagogische Mitarbeiterinnen: 3 Erzieherinnen und eine Integrationskraft.

Montags, mittwochs und freitags mit Therapiebegleithund Emma.

 

Gruppenstärke: wir haben eine Gruppe mit 16 (+2) Kindern.

 

Ausrüstung Erzieherinnen: gute und waldtaugliche Kleidung und Schuhe, Handy, Telefonliste, Erste-Hilfe-Ausrüstung, Ersatzkleidung für die Kinder, Nachschlagewerke, kleine Schaufeln, Seile, Schnitzmesser, Lupen, Waschwasser, Handtücher, Trinkwasser, Fotoapparat, Material nach Bedarf z. B. Bücher, Bastelmaterial, Murmeln.

 

Ausrüstung der Kinder: bei warmem Wetter: bequeme, lange, dünne Hosen, langärmelige Shirts, festes Schuhwerk;

bei nassem Wetter: festes Schuhwerk oder Gummistiefel, Regenhose, Regenjacke;

bei kaltem Wetter: “Zwiebelschichten-System”, d.h. mehrere Schichten Kleidung übereinander, die je nach Temperaturveränderung aus- oder angezogen werden können, gutes, festes Schuhwerk.

Jedes Kind benötigt einen gutsitzenden Rucksack.

Rucksack Inhalt: Frühstücksdose, Trinkflasche, außerdem eine kleine Isomatte zum Sitzen in der Morgenrunde und beim Frühstück im Wald, evtl. Ersatzkleidung.

 

Ab 8° C untersuchen die Eltern das Kind nach dem Waldkindergarten auf Zecken.

 

 

1. Einleitung

 

Unser Waldkindergarten ist ein sehr kleiner, individueller und persönlich geführter Kindergarten.

 

Wir gehen davon aus, dass die Familien, die zu uns kommen, sich aus schicksalhaften Gründen zusammengefunden haben, um hier gemeinsame Erfahrungen zu sammeln und für das Leben zu lernen. Wir sind mit unserer inneren Haltung der Waldorfpädagogik und der Natur stark verbunden.

 

Es geht uns um die Schaffung einer “kleinen heilen Welt“, die von gegenseitiger Achtung, Zuneigung und Liebe dem Menschen gegenüber geprägt ist und somit eine positive Einstellung zur Welt und zum Leben vermitteln möchte. Dazu gehört es Krisen überwinden zu lernen und daran zu wachsen. Die Kinder sollen bei uns Geborgenheit in einer von Werte getragenen Gemeinschaft erleben dürfen.

 

2. Beschreibung der Einrichtung

 

Unser Waldkindergarten “Wurzelkinder e.V.“ befindet sich im Heistmer Wald am Schlackenweg. Es ist eine Einrichtung für Kinder von 3 - 6 Jahren. Die Besonderheiten dieser Betreuungsform besteht darin, dass sich alles unter freiem Himmel abspielt, unabhängig von den Jahreszeiten und vom Wetter. Bei Regen haben wir eine Plane, die wir zwischen den Bäumen aufspannen. Sollte es stürmen und gewittern, suchen wir Ausweichmöglichkeiten z. B. auf dem Spielplatz an der Tannenstraße, einer Wiese (ohne Baumbestand), in unserem Wald, oder es werden Ersatzangebote geschaffen (im Mehrzweckraum, an Unterständen, in der Bücherei).

 

Unser Waldkindergarten besteht aus einer Gruppe von 16 (+2) Kindern. Es sind 3 staatlich anerkannte pädagogische Fachkräfte als Erzieherinnen in unserem Verein angestellt. Außerdem beschäftigen wir an 3 Tagen in der Woche eine junge Frau aus der “Lebenshilfe“ als Unterstützung in unserer pädagogischen Arbeit. Zusätzlich sind noch 2 geringfügig beschäftigte Frauen in der Verwaltung, sowie in der Lohnbuchhaltung tätig.

 

2.1. Tages- und Jahresablauf

 

Der Tag ist von wiederkehrenden Ritualen geprägt. In der warmen Jahreszeit dürfen die Kinder zwischen 8:00 und 9:30 Uhr gebracht werden und im Winter spätestens bis 9:00 Uhr, damit wir uns frühzeitig auf den Weg machen können, um einen geeigneten Picknickplatz zum Frühstücken zu suchen. Durch das Spazierengehen halten wir uns im Winter auch warm.

 

Vor dem Frühstück wird im Morgenkreis gemeinsam gesungen und gegen Ende des Frühstücks wird eine fortlaufende Geschichte vorgelesen. Nach dem Essen packen die Kinder eigenständig ihre Rucksäcke, nur die Trinkflaschen bleiben ausgepackt, damit die Kinder jederzeit etwas trinken können. Anschließend findet Freispiel im Wechsel mit gezielter Beschäftigung statt. Um 11:15 Uhr ist Aufräumzeit, danach gibt es einen Abschlusskreis. Dann finden Kreis- und Fingerspiele statt - es wird gesungen und getanzt. Die Eltern warten am Wegrand und nehmen nach dem Abschlusslied ihre Kinder wieder in Empfang.

 

Mit wiederkehrenden Angeboten und Ausflügen wird das Jahr rhythmisch gestaltet. Im Früh- und Spätsommer halten wir uns oft an der Elbe auf. Wir fahren mehrmals im Jahr mit dem Bus auf einen Spielplatz oder auch in die Heistmer Grundschule zum Backen. In den Sommerferien nutzen wir zusätzlich das Glinder Freibad.

 

 

3. Leitbild und Erziehungsziele

 

Wir arbeiten familienunterstützend und ergänzend.

 

Jedem Kind bieten wir die Entwicklungsmöglichkeiten, die es braucht, um gesund heranzuwachsen und auch für die Schulreife benötigt.

 

Grundsätzlich wird die Ansicht vertreten, dass jedes Kind individuell ist und die Erzieherinnen es so annehmen wie es ist.

 

Des Weiteren steht die ganzheitliche Förderung von Körper, Geist und Seele im Mittelpunkt unserer Erziehung.

 

Im Kindergartenalltag wird Wert auf einen rhythmischen Tagesablauf gelegt, der den Kindern Sicherheit geben soll.

 

Die Beschäftigungsangebote sollen die Begabung einzelner Kinder fördern und individuellen Schwierigkeiten entgegenwirken.

 

Wichtige Aspekte unserer Arbeit sind die Förderung der Fantasie, Kreativität, Bewegung und Sprache.

 

Grundlegend für das Konzept des Waldkindergartens ist, dass es kein vorgefertigtes Spielzeug gibt. Die Ideen für das Spiel sollen nicht durch Spielsachen hervorgerufen werden, sondern vom Kind selbst ausgehen. Bei der Ideenfindung können die vorhandenen Naturmaterialien helfen und in das Spiel mit einbezogen werden. Mit dem Einsatz der Fantasie können z. B. kurzangespitzte Stöcke zu Messern werden oder es kann aus Moos ein weiches Bett entstehen.

 

Die Aspekte Bewegung, Sprache und Fantasie sind in der heutigen Zeit von immer größer werdender Bedeutung. Kinder verbringen immer mehr Zeit im Haus mit digitalen Medien, wie Fernseher und Computer. Der eigentliche Bewegungsdrang der Kinder wird hiermit unterdrückt, wodurch das Spielen im Freien zu kurz kommt und die eigene Fantasie durch vorgefertigte Filme und Spiele nicht mehr gefördert wird. Durch fehlende Kommunikation wird Sprache in den Hintergrund gedrängt. Der Waldkindergarten soll ein Gegenpol zu dieser gesellschaftlichen Entwicklung sein. Im Wald lernen die Kinder sich selbst zu beschäftigen, sich wahrzunehmen und sich selbst zu erfahren.

 

Ein spielzeugfreier Kindergarten, wie unser Waldkindergarten, dient auch zur Prävention von Süchten. Abhängiges Verhalten wird schon hier vorgebeugt, indem Kinder lernen sich im Wald mit sich selbst zu beschäftigen. Sie lernen auch Langeweile zu akzeptieren, sich damit auseinanderzusetzen und aus eigenen Kräften, mit eigenen Tatimpulsen wieder herauszufinden. So lernen sie selbstverantwortliches Handeln.

 

Ein wichtiger Aspekt im Kindergartenalltag ist das freie Spielen. Das Freispiel deckt den Großteil unserer Entwicklungsziele für die Kinder ab, darum wird dafür auch viel Zeit eingesetzt. Die Kinder bewegen sich vielfältig; sie setzen ihre Fantasie ein, sind kreativ und lernen miteinander umzugehen.

 

Um auch Feinmotorik, Ausdauer, Konzentration, Geduld u.s.w. zu fördern, werden Angebote gemacht, die sich oft zu Projekten ausdehnen. Hierzu werden oft Fachkräfte mit besonderen Fähigkeiten hinzugezogen. Es werden dabei Ideen von den Erziehern, als auch von den Kindern verwirklicht.

Gerade im Waldkindergarten orientieren sich Angebote und Projekte an den Jahreszeiten. So wird der jahreszeitliche Rhythmus mit seinen unterschiedlichen Naturerscheinungen erfahren, erlebt und bewusst gemacht. Die Wahrnehmung von den Veränderungen in der Umgebung wird in den gewählten Angeboten, in Liedern und Spielen aufgegriffen und verarbeitet. Es entsteht eine liebevolle Achtung der Natur.

 

Unerlässlich für unsere Arbeit ist die enge Zusammenarbeit mit den Eltern. Es finden täglich Gespräche statt. Dadurch bekommen die Eltern Einblick in den Kindergartenalltag und bekommen somit auch Anregungen Alltagsprobleme zu lösen.

 

Die Erzieherinnen haben die Möglichkeit sich fachlich fortzubilden, außerdem finden regelmäßige Mitarbeitergespräche statt.

 

4. Bildung unter Berücksichtigung der Bildungsleitlinien

4.1. Körper, Gesundheit und Bewegung

 

Die Motorik der Kinder wird im Waldkindergarten ohne großen Aufwand unserseits besonders gefördert. Durch das Laufen und Springen in unebenem Gelände, durch Klettern und Wippen auf Bäumen und durch das Balancieren auf Baumstämmen werden Bewegung ausprobiert und trainiert, sowie der Gleichgewichtssinn geschult. Auf diese Weise gewinnen die Kinder Sicherheit und Vertrauen. Der natürliche Bewegungsdrang der Kinder kann im Wald intensiv ausgelebt werden. Zusätzlich bildet die Beherrschung der Grobmotorik die Grundlage für die Feinmotorik, die wiederum bei Eintritt in die Schule eine große Rolle spielt.

 

Der ständige Aufenthalt in der Natur und die wechselhaften klimatischen Bedingungen stärken das Immunsystem der Kinder, sodass sie auffallend weniger krank sind. Das Toben im Freien verhindert Haltungsschäden, Übergewicht, reguliert den Appetit und den Schlaf.

 

Bei uns wird Wert auf gesundes Essen gelegt. Wir haben die Regel, dass nur gesunde Lebensmittel zum Frühstück mit in den Wald gebracht werden. Weiterhin werden je nach Jahreszeit Kochprojekte angeboten, die den Kindern gesunde Ernährung, deren Ursprung und Verarbeitung nahe bringen sollen. In der kalten Jahreszeit bereiten wir einmal in der Woche einen Haferbrei zu, für den die Kinder mit kleinen Handmühlen Getreide mahlen. Im Herbst kochen wir Apfelmus, sammeln Früchte und kochen Marmelade, ernten im Hochbeet unsere gepflanzten Kartoffeln und laden die Eltern zum Mittagessen ein. Zum Erntedankfest schnippeln die Kinder Gemüse und kochen eine Erntesuppe. Wir backen im Laufe des Jahres auch Pfannkuchen, machen Popcorn, backen Kekse, wir grillen an der Elbe und ernten im Hochbeet auch Kresse und Salat. So lernen Kinder die Lebensmittel zu achten, wissen was gesund und ungesund ist, lernen die Herstellung von Gerichten und den Sinnzusammenhang von säen, ernten und essen. Somit bekommen die Kinder Anregungen für ihre Sinne und der Lebenssinn des Kindes wird besonders gefördert. Die Kinder erleben am eigenen Körper, dass eine bedarfsgerechte Ernährung, Essen und Trinken eine Grundvoraussetzung für ihr körperliches Wohlbefinden, ihre Leistungsfähigkeit und ihre Gesundheit ist. So wärmt ein heißer Tee im Winter, kaltes Wasser erfrischt im Sommer, Obst, Gemüse und Brot geben neue Energie.

 

4.2. Sprache / Kommunikation

 

Das Spiel ohne Spielzeug macht Kommunikation unerlässlich, denn die Fantasie und die Ideen müssen mit den Spielpartnern ausgetauscht werden, damit die gleichen Vorstellungen existieren. Da die Kinder im Wald viel miteinander sprechen, werden die Sprache und der Umgang mit ihr automatisch gefördert.

 

Wir können beobachten, dass die Waldkindergartenkinder in großen Gruppen, oftmals bis zu 10 Kinder, zusammen spielen. Es werden Regeln aufgestellt, Spielsituationen be- und abgesprochen, Rollen verteilt und so Sprache und Kommunikation geübt. Die sprachliche Entwicklung wird zusätzlich durch Bilderbücher, Märchen, Geschichten, Rätsel, Reime, Gedichte und Fingerspiele täglich im Abschlusskreis gefördert.

 

4.3. Soziales und emotionales Verhalten

Das Erlernen eines adäquaten Sozialverhaltens ist ein primäres Erziehungsziel. Die Kinder sollen lernen mit anderen Kindern angemessen umzugehen und Konflikte lösen zu können. Anders als in engen Räumen, bauen sich durch die Weite des Waldes selten Aggressionen auf. Die wenigen Regeln, die es für den Waldaufenthalt gibt, sind logisch und nachvollziehbar, sodass sie nicht unbedingt explizit besprochen werden müssen. Im Umgang mit anderen Kindern sind Rücksicht, Respekt und Hilfsbereitschaft wichtig.

Die Kinder sollen lernen, für sich selbst zu sorgen, aber auch Empathie für die anderen Kinder zu entwickeln.

 

Damit Kinder hier Lernerfolge, Einsichten und Veränderungen erfahren können, sind die Erzieherinnen aufgefordert, die Gruppenprozesse immer im Blick zu haben und die Kinder hilfreich mit Gesprächen, Grenzsetzungen und Lösungsvorschlägen zu unterstützen.

 

Es ist für uns selbstverständlich, das Jungen und Mädchen gleichberechtigt erzogen werden. Manchmal erleben wir, dass Jungen dominanter sind und ermutigen die Mädchen deshalb, ihre Meinung zu sagen und dafür zu sorgen, dass es ihnen gut geht. Durch das gemeinsame Spiel können die Kinder voneinander lernen und sich gegenseitig beeinflussen. So können sich die Mädchen zum Beispiel im Rollenspiel auch in den Mittelpunkt stellen und die Jungen untergeordnete Rollen ausprobieren. Beiden Geschlechtern möchten wir zu einer inneren Ausgeglichenheit verhelfen. Die mutigen und selbstbewussten Kinder sollen auch lernen sich zurückzunehmen, und die stillen und zurückhaltenden Kinder werden motiviert ihre Meinung zu äußern und sich durchzusetzen. So soll eine angstfreie Gruppenatmosphäre mit gegenseitiger Rücksichtnahme und Akzeptanz geschaffen werden.

 

Die Erzieherinnen ermöglichen den Kindern die Freiräume für selbstständiges Tun und eigene Entscheidungen (Partizipation) zu treffen. Die Kinder können so in einem kindgerechten Rahmen an Entscheidungsprozessen teilhaben und diese mitgestalten. “Was möchte ich spielen und mit wem?“ - “Möchte ich lieber jetzt malen oder später?“ - “Wohin wollen wir heute wandern?“

 

4.4. Ethik und Religion

 

Wir leben in einer christlich geprägten Gesellschaft. Es ist uns wichtig, die religiösen Feste mit Inhalten zu füllen. Die Kinder erfahren, dass es nicht nur um einen Austausch von Geschenken geht, sondern wissen warum die Feste gefeiert werden. So versuchen wir

z. B. den Kindern die Geburt Jesus in unserem “Hirtenspiel“ zu vermitteln.

Das Erntedankfest feiern wir, indem wir in einem Reigen die Entwicklung vom Korn bis zum Brot nachspielen und den lieben Gott, der Sonne und dem Regen danken.

Aus gegebenen Anlässen sprechen wir mit den Kindern auch über Geburt und Tod. Wir achten die Natur und die Erde. Das Wachsen und Gedeihen von Pflanzen und Tieren wahrzunehmen, geben Vertrauen und Geborgenheit, dass Gott uns beschützt und die Schutzengel auf uns aufpassen. Wir sprechen über andere Religionen und Glaubensgrundsätze, wenn Kinder aus anderen Kulturkreisen bei uns sind.

 

So können die Kinder Vertrauen in die Welt aufbauen, Achtung und Dankbarkeit empfinden, verschiedene Glaubensrichtungen kennenlernen und ethische und moralische Grundsätze und Maßstäbe verinnerlichen.

 

Uns ist wichtig nicht nur Körper und Geist zu fördern, sondern auch den kleinen Kinderseelen Nahrung und Halt zu bieten. Leider kommt dies in unserer intellektuellen, leistungsorientierten Gesellschaft oft zu kurz. Darum werden bei uns noch Zwergen- und Elfengeschichten vorgelesen und erzählt. Einmal in der Woche besucht uns ein Märchenopa, der den Vorschulkindern vorliest. In den wärmeren Jahreszeiten spielen wir Erzieherinnen den Kindern Puppenspiele vor, in denen unser kleiner Waldzwerg “Pünkelchen“ viele schöne und aufregende Abenteuer erlebt.

 

4.5. Musische, ästhetische Bildung / Kreativität

 

Ein besonderes Anliegen ist uns, Spaß am Singen und Musizieren zu wecken und die Kinder zum Mitmachen anzuregen. Manchmal begleiten selbst gebastelte Instrumente unsere Lieder oder eine der Erzieherinnen spielt auf der Flöte. Musik und Rhythmus sind in vielen Situationen Teil unseres Tagesablaufs, z. B. bei der Begrüßung und beim Abschied, während des Freispiels und Spazierengehens. Beim Frühstück singen wir Lieder und sagen Sprüche auf. Es gibt Bewegungslieder und Singspiele, Geburtstagslieder, Lieder zu den jahreszeitlichen Ereignissen und Festen. Wir erfinden Lieder und Reime und singen auch in Tiersprachen; wir dichten Lieder auf bestimmte Laute und Silben um oder auch weiter.

 

Zum Basteln und Handwerken benutzen wir Materialien und Gegebenheiten die der Wald bietet: Matsch, Blätter, Steine, Äste, Stöcke, Blumen, Moos und vieles mehr. Außerdem stehen uns auch speziell ausgesuchte Materialien zur Verfügung. Es gibt Wachsmalstifte, schöne Wolle, Wasserfarben, Schnitzmesser und Werkzeuge. Bei uns steht dabei Qualität vor Quantität.

 

Häufig entwickeln die Kinder selbst Ideen und stellen nach eigenen Vorstellungen etwas her: sie schnitzen Maria - die Mutter Gottes, sie basteln ein Gesteck, sie bauen eine Höhle, Baustellen, Mühlen, ein Zwergenreich. Durch das fantasievolle, kreative Tun schaffen wir eine gesunde Basis für eigenständige Entfaltungs- und Lernprozesse.

 

Von den Erzieherinnen werden Projekte und Basteleien angeboten, die sinnesorientiert sind und möglichst aus natürlichen Materialien hergestellt werden: Kerzen ziehen, Kissen nähen, Musikinstrumente basteln, Tiere filzen, töpfern. Die Kinder erleben, dass man Dinge des täglichen Lebens herstellen und benutzen kann und eine ansprechende Gestaltung durch die Materialauswahl entsteht.

 

4.6. Denken, Mathematik, Natur, Technik

 

Die Entwicklung des logischen Denken ist bei Kindergartenkindern an konkretes Erleben gekoppelt. Sie sammeln Erfahrungen und ziehen ihre Schlüsse daraus.

Die Natur um uns herum lädt täglich zum Experimentieren ein. Zum Beispiel werden mit abenteuerlichen Stockkonstruktionen beim Zäunebauen, Höhlenaufstellen, Wippenbauen, Hölzerbrechen ganz nebenbei physikalische Gesetze zu Gleichgewicht und Hebelwirkung studiert. Neue Entdeckungen und Erfindungen der Kinder werden gewürdigt, indem sie der ganzen Gruppe vorgestellt und vorgeführt werden. Das motiviert einzelne zu neuen “Forscheraufgaben“. So entstehen Steinmühlen zum Mahlen von Getreide, Maschinen verschiedenster Art, Konstruktionen zum Transport von Material u.v.m.

 

Auch zum Beobachten der Natur gibt es im Wald unendlich viele Möglichkeiten. Tiere und Pflanzen unterschiedlicher Art werden entdeckt. Aus Fragen, die die Kinder intensiv beschäftigen, können Projekte werden. Dazu können auch Anschauungsmaterialien, Bücher u.s.w. hinzugezogen werden. Dabei steht aber immer die Aktivität der Kinder, nicht der Erwerb von reinem “Kopfwissen“, im Vordergrund.

 

Der Umgang mit mathematischen Themen wie mit Zahlen und Ziffern, dem Messen, Teilen und Vergleichen kommt in unserem Alltag immer wieder vor. Zum Beispiel beim morgendlichen Zählen der anwesenden Kinder,

- beim Ausmessen von hergestellten Seilen, verschiedenen Stocklängen,

- beim Höhlenbau, beim Tragen von großen und kleinen Holzklötzen,

- wer ist größer, wer ist älter,

- beim Teilen des Geburtstagskuchens,

- beim Aufsagen von Versen, beim Seilspringen.

 

5. Aufgaben der Erzieherinnen

 

5.1. Beziehung zum Kind

 

Während der Eingewöhnungszeit wird ein Elternteil eingeladen, gemeinsam mit dem Kind den Kindergartenalltag zu erleben. Haben wir uns gegenseitig kennengelernt, verabschieden sich die Eltern für kurze Zeit vom Kind. Entsprechend seines Verhaltens und seiner Bedürfnisse, entscheiden wir dann gemeinsam, wie die weitere Eingewöhnung verlaufen soll. Es ist uns wichtig eine vertrauensvolle Beziehung zu den Kindern aufzubauen. Das gibt dem Kinder das Gefühle von Schutz, Geborgenheit und Verlässlichkeit.

 

Wir holen die Kinder dort ab, wo sie in ihrer Entwicklung stehen; wir fördern und unterstützen sie.

 

Unsere Aufgabe besteht darin, dafür zu sorgen, dass es den Kindern gut geht. Wir achten darauf, dass sie dem Wetter entsprechend angezogen sind und dass sie auch genug essen und trinken. Wir geben emotionale Zuwendung, trösten, hören zu und nehmen Anteil an ihren Erlebnissen und Sorgen.

 

Es ist uns wichtig einen rhythmischen Tages- und Wochenablauf einzuhalten, klare und deutliche Grenzen und Regeln aufzustellen, damit die Kinder Sicherheit und Sozialkompetenz entwickeln können.

 

Wir, als Erzieherinnen müssen in unserer Gruppe mit unserer Aufmerksamkeit immer präsent sein und jedes Kind im Blick haben, eine Wahrnehmung für die Gruppenprozesse entwickeln und entscheiden, ob Hilfe notwendig ist oder ob die Kinder in der Lage sind ihre Situation selbst zu lösen. Dadurch soll sich jedes Kind geborgen fühlen.

 

 

5.2. Vorbildfunktion

 

Es ist uns bewusst, dass wir als Erzieherinnen, sowohl für die Kinder, als auch für die Eltern eine Vorbildfunktion erfüllen. Kleinkinder ahmen nach, was wir Erwachsenen vorleben. So ist es wichtig, eine freundliche, ruhig und gelassene Atmosphäre zu schaffen, authentisch, offen und ehrlich zu sein.

 

In Bezug auf die Ernährung achten wir auf gesunde, biologische Lebensmittel.

 

Der Natur gegenüber verhalten wir uns achtsam und rücksichtsvoll.

 

In Bezug auf Materialverwertung sind wir ressourcenschonend und nachhaltig.

 

Wir Erzieherinnen leben den Kindern sinnvolle Tätigkeiten vor. So achten wir darauf, in der Zeit des Freispiel selbst aktiv zu sein: wir schnitzen z. B. “Geburtstagszwerge“, stellen Pferdeleinen her, räumen den Wald auf, üben Lieder mit der Flöte ein und bereiten Bastelarbeiten vor.

 

5.3. Beobachtung / Dokumentation

 

Wir entwickeln zu jedem Kind einen persönlichen Kontakt. So lernen wir das Kind im Laufe der Zeit mit seinen Stärken und Schwächen kennen. Während des Kindergartenalltags haben wir viel Zeit jedes Kind gezielt zu beobachten und wahrzunehmen.

 

Unsere Einschätzungen der Kinder ergibt sich aus unseren Beobachtungen, die wir von Zeit zu Zeit in einem Beobachtungsheft notieren und durch einen intensiven Austausch mit unseren Kolleginnen und den Eltern.

 

Zum Beginn des Kindergarteneintritts bekommt jedes Kind ein Malheft, in dem es bis zum Schulbesuch regelmäßig zum Malen angeregt wird. So bekommen wir einen Überblick über die Malentwicklung, woraus wir eventuelle Schwierigkeiten und Entwicklungsverzögerungen ablesen können.

 

5.4. Teamarbeit

 

Grundlage für unsere Zusammenarbeit im Team sind Respekt, Offenheit, Ehrlichkeit und Hilfsbereitschaft. Wir Mitarbeiterinnen erwarten voneinander uns in Notfällen gegenseitig zu vertreten, sowie Arbeiten, die anfallen, je nach fachlicher Kompetenz und persönlichen Fähigkeiten, zu erledigen. Kritikfähigkeit, Kompromissbereitschaft und Verständnis füreinander sind wichtige Voraussetzungen.

 

Unter diesen kollegialen Bedingungen kann mit unserm pädagogischen Anspruch ein harmonischer, reibungsloser Arbeitstag angestrebt, bzw. gewährleistet werden.

 

5.5. Zusammenarbeit mit den Eltern

 

Bei der Elternarbeit geht es uns in erster Linie darum auch ein vertrauensvolles Verhältnis zu den Eltern aufzubauen und sie in ihrer Individualität anzunehmen und zu achten. Um gemeinsam an den Entwicklungsprozessen unserer Kinder zu arbeiten, ist eine gute Zusammenarbeit mit den Eltern die Voraussetzung.

 

Die Eltern werden genauso wie die Kinder, morgens freundlich mit Handschlag begrüßt. Um immer in Kontakt zu bleiben, werden bei den täglichen “Tür- und Angelgesprächen“ mit den Eltern Informationen ausgetauscht und unsere Aufmerksamkeit und unser gegenseitiges Interesse bekundet. Auch beim Abholen der Kinder ist eine kurze Übergabe wichtig, um den Eltern Besonderheiten des Vormittags mitzuteilen.

 

Zu Beginn des Kindergartenjahres findet ein Elternabend statt, dann wird über organisatorisches und über pädagogische Grundlagen des Kindergartenalltags berichtet. Ein weiterer Elternabend wird im letzten Drittel des Kindergartenjahres angeboten.

 

Für wichtige Informationen gibt es ein “schwarzes Brett“ am “Eingangsbaum“.

Einmal im Monat gibt es per Email einen Newsletter “Der Wald ruft“. Dort können sich Eltern nach Angabe ihrer Emailadresse informieren. Aktuelle Geschehnisse und Veranstaltungen aus dem Wald kann man dort nachlesen.

 

Die Eltern werden auch zu verschiedenen Festen und Veranstaltungen eingeladen. Dadurch haben sie die Möglichkeit an Liedern, Singspielen und Basteleien der Kinder teilzunehmen und so einen kleinen Einblick in die Geschehnisse des Waldkindergartens zu bekommen. Gemeinsame Picknicks geben Gelegenheit zum Klönen und zum Austausch.

 

Individuelle Elterngespräche über die Entwicklung des Kindes finden bei uns im Wald in Einzelgesprächen statt.

 

5.6. Öffentlichkeitsarbeit

 

Wir kooperieren auch mit der Heistmer Schule. Zu verschiedenen Veranstaltungen der Schule werden unsere Waldkindergartenkinder eingeladen. Vor Beginn eines neuen Schuljahres bekommen unsere Vorschulkinder Besuch von einer Lehrerin zum gegenseitigen Kennenlernen.

 

Es bestehen auch kindgerechte Kontakte z. B. zur Feuerwehr (Brandschutzerziehung), sowie zum Roten Kreuz (Erste-Hilfe-Erziehung), zur Presse (Berichte) und zu verschiedenen Bewohnern und Anwohnern (zu Mädchen die vorlesen, zum Waldbesitzer, zu Spaziergängern).

 

Vor den Sommerferien, finden immer gegenseitige Besuche mit dem DRK-Kindergarten-Heist statt.

 

Außerdem nehmen wir an der Sozialausschusssitzung der Gemeinde Heist teil und halten Kontakt zur Verwaltung Moorrege, sowie zum Kreisjugendamt.

 

5.7. Umgang mit Beschwerden

 

Wenn Kinder sich über andere Kinder oder auch über uns, die Erzieherinnen beschweren, ist es wichtig, dass die Wahrnehmungen einer Beschwerde auch ernst genommen wird.

Wird sich während des Spiels beschwert, können wir eine Situation meistens direkt klären und lösen. Für den Fall, dass ein Kind sich nicht allein traut sich zu äußern, können selbstverständlich die Eltern für das Kinder sprechen. Wir als Team sind kritikfähig.

 

Kommt eine Eltern-Beschwerde auf uns zu, nehmen wir diese zunächst einmal dankend entgegen, ohne direkt Stellung nehmen zu müssen. Den Eltern wird mitgeteilt, dass ihre Beschwerde im Team ausführlich besprochen wird und danach eine Antwort ausgesprochen wird. So schützen wir uns vor spontanen Rechtfertigungen und Schuldzuweisungen.

 

Wir arbeiten immer transparent und versuchen jede Beschwerden offen und ehrlich zu lösen.

 

Feedback von den Eltern ist uns ausgesprochen wichtig, damit wir realistisch einschätzen können, ob wir unsere pädagogischen Ziele und Aufgaben auch wirklich erreichen.

 

Bei weitreichenden Beschwerden werden dann Vorstand und Heimleitung informiert.

 

6. Übergang zur Schule

 

Schulfähigkeit bedeutet neue und unbekannte Anforderungen aufgrund einer stabilen Selbstsicherheit neugierig und angstfrei aufzugreifen.

 

In diesem Sinne werden den Kindern, gerade im letzten Kindergartenjahr, Möglichkeiten geboten sich besonders auf die Anforderungen der kommenden Schulzeit einzustellen.

 

Das, was man vom Schulkind erwartet, wird täglich trainiert: Frustrationstoleranz, Geduld, Ausdauer, Einhalten von Regeln, Konzentration, Empathie, Fein- und Grobmotorik, Hilfsbereitschaft, Konfliktlösung, Kontaktfreudigkeit, Mut im Mittelpunkt zu stehen...

 

Aber auch gezielte Vorschularbeit hat in unserem Waldkindergarten einen festen Platz. Von Ostern bis zu den Sommerferien, wird jeden Tag mit den Vorschulkindern eine Stunde “gearbeitet“.

 

Wir beginnen immer mit einem Sportprogramm (Joggen, Seilspringen, Ballspiele).

 

Dann folgt eine handwerkliche Tätigkeit, die einmal wöchentlich kontinuierlich durchgeführt wird. Hier werden vor allem die Ausdauer und Konzentration, die Feinmotorik und das Überwinden von Lustlosigkeit geübt. Jedes Kind ist zum Schluss stolz und glücklich, wenn es das fertige Ergebnis mit nach Hause nehmen darf.

 

An drei Tagen in der Woche werden Tischspiele und Sprachspiele nach dem Würzburger Programm angeboten. Hier stehen Sprachfähigkeit, Logik, Konzentration, Rücksichtnahme und Hilfestellung im Vordergrund.

 

Der fünfte Tag der Woche ist einem besonderen Programm gewidmet - angeboten wurde bisher Reiten, Yoga für Kinder und Ergotherapie.

 

Die Vorschulkinder dürfen einmal im Jahr in den benachbarten Klettergarten. Dort wird Mut, die Überwindung von Angst und Motorik trainiert. Jedes Kind hat dort seine ganz eigenen Erfolgserlebnisse.

 

Zum Schulkindabschluss bekommt jedes Kind sein Kindergartenzeugnis überreicht.

Darin wird kindgerecht seine Entwicklung in der gesamten Kindergartenzeit, seine Eigenschaften und Fähigkeiten, aber auch Lücken und Defizite, sowie unsere Wünschen und Hoffnung für die Zukunft festgehalten.

 

7. Mitwirkung der Eltern

 

In unserem Waldkindergarten ist es unerlässlich, dass die Eltern uns in unserem Erziehungsalltag unterstützen.

 

Bei Festen, Veranstaltungen und Ausflügen brauchen wir Hilfe in Form von Fahrgemeinschaften, Essenszubereitung, Lebensmittelspenden und Materialbeschaffung.

 

Auch muss z. B. das wenige “Waldspielzeug“ von der Straße in den Wald und wieder zurück transportiert werden. Hier wünschen wir uns, dass die Eltern mithelfen.

 

Über den Schutz von Zeckenstichen und deren Folgen, werden die Eltern gründlich informiert. Es liegt in der Verantwortung der Eltern Kleidung, eventuell Zeckenspray zu verwenden und nach dem Waldbesuch das Kind nach Zecken abzusuchen.

 

Wegen des kleinen Fuchsbandwurmes müssen zu Hause die Hände gründlich gewaschen und auch die Fingernägel gebürstet werden.

 

Richtige, dem Wetter angemessene Kleidung und Ersatzkleidung muss zur Verfügung stehen. Ein funktionstüchtiger Rucksack mit Brotdose und Trinkflasche ist Teil unserer Ausrüstung.

 

Kommen wir gemeinsam mit den Eltern zu dem Ergebnis, das ein Förderbedarf beim Kind besteht, liegt es in der Verantwortung der Eltern eine kompetente Fachberatung (Logopäde, Physiotherapeut, Ergotherapeut etc.) außerhalb des Kindergartens zu konsultieren.

 

Auch werden die Eltern darauf hingewiesen eigenverantwortlich, gerade während der kalten Jahreszeit, die feinmotorischen Fähigkeiten ihrer Kinder, wie das Basteln, Schneiden und Malen zu schulen.

 

8. Qualitätsmanagment

 

Die Mitarbeiter und der Vorstand arbeiten gemeinsam an der stetigen Weiterentwicklung und Kontrolle an den Zielen der Einrichtung.

 

Es werden Ziele vereinbart, für deren Umsetzung und Kontrolle die Mitarbeiter verantwortlich sind.

 

Zusammen mit dem Vorstand werden diese jährlich auf ihre Umsetzung und ihren Bestand hin überprüft.

 

Regelmäßig finden im Rahmen der Elternabende, in persönlichen Gesprächen oder durch Fragebögen, Erhebungen statt, die die Zufriedenheit mit der Arbeit des Kindergartens wiedergeben.

 

Die Auswertung der Ergebnisse findet im Team statt und es werden konkrete Änderungen vorgenommen.

 

 

 

9. Hundgestützte Pädagogik im Waldkindergarten

 

Das ist Emma

 

 

Andrea Danzer und ihre Hündin Emma, sind in unserem Wald ein festes hundgestütztes Pädagogikteam. Dreimal in der Woche begleitet Emma Andrea Danzer bei ihrer Arbeit im Wald. Emma ist ein Mischlingshund. Sie wurde am 22.09.2016 in der Türkei geboren.

Emma hat viele Eigenschaften, die ein *Therapiebegleithund haben sollte. Sie ist sehr freundlich, ausgeglichen und hat ein sanftes, ruhiges und aufmerksames Wesen.

 

*Eine Therapiebegleithundeausbildung müssen alle Hunde, die mit Menschen im therapeutischen oder pädagogischen Bereich arbeiten absolviert haben. Je nachdem, wie auch der Begleiter/Begleiterin des Hundes ausgebildet ist, entsteht ein bestimmtes Team. Im Falle von Andrea Danzer, mit ihrer Ausbildung als Erzieherin, bildet sie zusammen mit ihrem Hund Emma ein ganz individuelles hundgstütztes Pädagogikteam.

 

Als erstes besuchte Emma damals einen Schnupperkurs bei “Soul Dogs“, um herauszufinden, ob sie Spaß an der Zusammenarbeit mit Menschen hat und ob sie mit Andrea Danzer im Team zusammen arbeiten kann. Mit viel gutem Feedback von den Hundeausbildern, zogen die beiden dann zum Eignungstest. Dort wurde Emma auf Ihre Stressresistenz, Belastbarkeit gegenüber Umweltreizen und Frustrationstoleranz getestet. Sie bestand den Eignungstest reibungslos! Im Oktober 2018 begann dann die Ausbildung zum hundgestützten Pädagogikteam. Beide haben viel gelernt und Emma hat Ihre Aufgaben schnell verstanden.

 

In Ihrer Freizeit spielt Emma gerne mit anderen Hunden, vor allem mit ihrer Hundefreundin Alma. Sie schwimmt und rennt gerne, geht früh schlafen und steht morgens wieder früh auf. Emma ist ein gesunder Hund. Sie ist gegen auf Menschen übertragbare Krankheiten geimpft und wird regelmäßig auf Würmer überprüft. Einmal im Jahr wird von der Tierärztin ein Gesundheitszeugnis erstellt.

 

Warum hundgestützte Pädagogik im Waldkindergarten?

 

An 3 Tagen in der Woche begleitet Emma Andrea Danzer in den Wald. Schon am “Eingang“ begrüßt auch Emma die ersten Kinder. Alle Kinder freuen sich, wenn Emma da ist, und schon nach 6 Monaten gehörte sie fest zur Gruppe dazu.

Die Kinder hatten Zeit, sich in ihrem Tempo dem Hund zu nähern, um eventuell auch Ängste abzubauen, die sie anderenfalls ihr Leben lang hätten begleitet und auch einschränken können. Kein Kind muss sich dem Hund nähern - die Entscheidung liegt immer beim Kind!

 

Basiskompetenzen können mit hundgestützter Pädagogik verstärkt werden.

 

Da die Kinder eine Bindung zu dem Hund aufbauen, wird täglich Empathie geübt: “Guckmal Sie lacht.“ - “Das findet Sie gut!“ - “Oh, sie hört was.“ - “Sie gähnt; sie ist müde.“

 

Eine Bindung zum Hund aufzubauen fällt den Kindern leicht, weil Emma nicht kritisiert und jedes Kind so nimmt wie es ist. Dadurch entsteht in der Gruppe ein zusätzliches Potential an der Bildung sich binden zu können und Körperkontakt einzugehen.

 

Die Kinder lernen durch Emma artgerecht mit Hunden umzugehen. Auch der richtige Umgang mit fremden Hunden wird erläutert. Was mache ich z. B., wenn ich einen fremden Hund sehe? - Darf ich ihn einfach streicheln? - Wie frage ich, wenn ich den Hund streicheln möchte? - Mögen das alle Hunde? - Welche Rassen gibt es? - Was fressen Hunde? - Wie streichle ich einen Hund?

 

Emma unterstützt die Biophilie der Kinder. Wenn Emma eine Spur riecht, können wir an der Intensität ihres Ausdrucks erkennen, ob ein Reh in der Nähe ist, und bei genauem Hinschauen haben wir auch schon Rehe weglaufen sehen. Die Kinder sind leise und konzentriert - wir müssen still sein.

 

Emma dient als sozialer Katalysator. Es gibt immer Dinge, die die Kinder mit einem Hund erlebt haben: “Oma hat ein Hund.“ - “Mich hat schon mal ein Hund angesprungen.“

Dadurch kommen wir uns näher und Erlebnisse, Sorgen und Gefühle werden ausgetauscht.

 

In der sozialen Integration tritt der Hund auch mit unbeliebten und schüchternen Kindern in Kontakt. Die Kinder selbst erfahren die Wertschätzung des Hundes und die Gruppe bekommt einen anderen Blick auf dieses Kind. So kann der Abbau von sozialen Ängsten der Kinder gelingen, weil die Beziehungen positiv erlebt werden. Kinder bauen Vertrauen zu dem Hund auf. Durch Kontaktliegen zum Hund wird dieses Vertrauen verstärkt.

 

Kinder lernen Selbstkontrolle. Kein Hund mag es, wenn Kinder stürmisch auf sie zu rennen. Der Hund zieht sich dann zurück.

 

Auch Kontrolle über die Umwelt kann erlangt werden, indem der Hund Kommandos der Kinder ausführt.

 

Sehr beeindruckend ist, dass Kinder sehr viel Rücksicht nehmen, wenn Emma dabei ist. Emma liebt die Kinder bedingungslos und kritisiert nicht, das geben die Kinder dem Hund zurück, indem Sie auf ihre Bedürfnisse, z. B. nach Ruhe, eingehen.

 

Es wird die Regelakzeptanz trainiert. Das bedeutet z. B., dass Hundeohren geräuschempfindlich sind - das Kind verhält sich ruhig und nimmt Rücksicht. Emma hat Ruhezeiten - die müssen eingehalten werden - Emma ist ein Jagdhund und darf bei Spaziergängen durch den Wald nicht von der Leine gelassen werden.

 

Emotional Kompetenzen

 

Mit einem Kind über Emma zu sprechen kann dazu führen, dass das Kind eigenes inneres Erleben auf sie projiziert und sich selbst hilft, indem es eine Idee entwickelt, wie man dem Hund hilft. Es entstehen so Handlungskompetenzen.

Emma gibt den Kindern das Gefühl der Zuwendung, Nähe, Trost und Geborgenheit. Dadurch wird das emotionale Wohlbefinden des Kindes gestärkt.

Den Hund durch Kommandos unter Kontrolle zu halten, gibt dem Kind Selbstsicherheit und Selbstwertgefühl.

Das Kind bekommt von Emma widergespiegelt, wie es auf andere wirkt - bin ich z. B. laut und grob, wendet sich der Hund ab.

Durch das Streicheln von Emma, wird das Kind ruhiger. Das Streicheln sorgt für Entspannung.

Emma ein Kunststück beizubringen ist mit Frustration verbunden, weil es nicht auf Anhieb gelingt. Die Wut muss im Konflikt heruntergefahren werden und zwar so, dass es nicht an Emma ausgelassen wird (emotionale Selbststeuerung). Am Ball bleiben und sich immer wieder der Situation aussetzen, stärkt die Frustrationstoleranz. Die Belohnung ist eine wirkliche Anerkennung für das Können des Kindes.

 

Sprache und Wortschatzerweiterung

 

Auch zur Wortschatzerweiterung und der genauen Aussprache von Worten, kommt es in der Auseinandersetzung mit einem Hund.

 

Im Bereich der Kommunikation liegen die Schwierigkeiten meistens in der nonverbalen Kommunikationsfähigkeit, welche oftmals unzureichend ausgeprägt ist. Hieraus entstehen auch Missverständnisse mit anderen Kindern.

Durch die überwiegend körpersprachliche Kommunikation des Hundes, lernt das Kind vor allem auf nonverbale Signale zu reagieren; so wird die Kongruenz der digitalen und analogen Kommunikation trainiert.

 

Das Vertrauen in die Sprache wird geübt durch:

- Gespräche über den Hund,

- Bezeichnung der Körperteile,

- Erlebtes wiederzugeben.

 

Auch durch ein Spiel kann man die deutliche Aussprache üben.

Der Hund wird z. B. durch eine Zeitung vom Sichtfeld des Kindes getrennt. Nun gibt das Kind ein Kommando. Ist das Wort richtig ausgesprochen, folgt der Hund. Wenn das Wort nicht richtig ausgesprochen ist, dann folgt der Hund nicht.

Es ist wichtig, die Erfahrung zu machen, dass auch nonverbal kommuniziert werden kann. Hunde reagieren stärker auf nonverbale Zeichen und Körperhaltungen.

So kann auch z.B. das Wort “sitz“, nonverbal vermittelt werden.

 

Wahrnehmung

 

Visuell:

- das genaue Betrachten von Emma,

- wo befindet sich welches Körperteil,

- das Beobachten und anschließende Ausmalen eines Hundebildes nach genauer Optik.

 

Olfaktorisch:

Verschiedene Hundefuttersorten riechen, z. B. Trockenfutter oder Fleisch, Knochen, Nassfutter.

 

Taktil:

Augen verbinden und Körperteile des Hundes ertasten.

 

Auditiv:

Tätigkeiten des Hundes hören; z. B. schnüffeln, lecken, schnuppern.

 

Fühlen:

Das Fell des Hundes anfassen und bürsten und dabei den unterschiedlichen Druck spüren zwischen Bürsten und Streicheln.

 

Differenziertheit:

Unterschiedliche Bedeutungen der Körpersprache des Hundes lesen lernen; z. B. unterschiedliches Wedeln mit dem Schwanz - ist es freudig oder unsicher?

 

Wahrnehmungsmodus:

Bei einer freien Interaktion müssen Details des Hundes wahrgenommen werden. Wie nähert sich der Hund an - freundlich oder draufgängerisch?

 

Kognition

 

Wird Emma von einem Kind geführt, fördert es die Konzentration und das Gedächtnis des Kindes. Von Emmas Verhalten als Jagdhund, lernen die Kinder ob Wild in der Nähe ist, ob die Leine richtig liegt damit Sie nicht stolpert und wann Sie mal “pieschern“ muss. Das erfordert Kenntnisse über die Körpersprache des Hundes und eine hundgerechte Haltung.

 

Bei der Beobachtung von Emmas Verhalten erlangen Kinder Analysefähigkeit sowie soziale und emotionale Intelligenz. Hypothesen über das Verhalten können direkt überprüft werden; z. B. wenn Emma anfängt stark zu schnuppern und aufschaut. Es könnte ein Reh in der Nähe sein - das Kind hält inne und sieht das Reh.

 

Körper und Motorik

 

Durch die Begegnung und das Streicheln von Emma stabilisiert sich der Kreislauf und der Blutdruck senkt sich, Endorphine werden ausgeschüttet, Stresshormone werden nicht mehr vermehrt ausgeschüttet. Der Körper findet sein emotionales Gleichgewicht wieder. Dadurch werden z. B. auch die Lernbedingungen des Kindes verbessert. Durch kognitives Lernen kann auch konzentriertes Arbeiten mit Werkzeug gefördert werden oder einem vorgelesenen Buch konzentriert zuzuhören und zu verstehen oder im Sitzkreis ruhig zu sitzen um in Ruhe essen zu können.

 

Durch Spaziergänge und Hürdenläufe mit Emma, wird der Bewegungsapparat trainiert und Muskeln werden aufgebaut. Auch zur Reduktion von Übergewicht, um überhaupt in Bewegung zu kommen, ist die gemeinsame Bewegung mit Emma sinnvoll.

 

Grobmotorik:

Emma als Bewegungs- und Kletterkünstler animiert das Kind zum Laufen, Klettern, Spazierengehen und zum Balancieren.

Ein Parcours wird aufgebaut, den zuerst das Kind und dann der Hund durchläuft. Der Spaß steht dabei immer im Vordergrund.

 

Feinmotorik:

- den Karabinerhaken am Halsband befestigen,

- kleine Leckerlis im Leckerlizopf verstecken,

- den Hund bürsten und dadurch die Auge-Hand-Koordination fördern,

- ein Portrait vom Hund malen.

 

Psychomotorik:

Um den Zusammenhang zwischen Gefühlen, Bewegung und Sprache mit körperlicher Ausdrucksfähigkeit herzustellen, kann eine Geschichte, in der der Hund die Hauptrolle spielt, in einem Bewegungsparcours integriert werden.

 

Die hundgestützte Pädagogik als Ergänzung im Waldkindergarten, ist für die Kinder ein zusätzlicher Gewinn. Der Hund als ein soziales Wesen ist ein Bindeglied zwischen Mensch und Natur. Er unterstützt die Du-Evidenz und die Bildung der Bindung zur Natur.

 

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